Tag 4 von 4:

Planung:
Am letzten Tag m├╝ssen wir von Odenheim zeitig starten, um die angepeilte Bahnr├╝ckfahrt ab Bretten zu erreichen. Es geht durch den Forstwald “schwarzes Loch” ins Kraichtal nach Gochsheim, ├╝ber die ICE Rennstrecke Mannheim Stuttgart, ├╝ber B├╝chig nach Bretten.

Kurz vor 7 Uhr stehen wir auf. Der Zug nach Odenheim soll in Zeutern Sportplatz um 7:47 Uhr vorbeikommen. Am Bahnhof werden noch ein paar Sonnenaufgangsfotos mit “Drama”filter gemacht. Im Warteh├Ąuschen sind zwei Schalter, wie an Fu├čg├Ąnger-Bettelampeln, um den Zug auch zum Halten und Mitnehmen in die jeweilige Richtung zu ├╝berreden. In letzter Sekunde dr├╝cken wir hektisch alle Schalter, aber der Zugf├╝hrer h├Ątte vermutlich auch so gehalten, wo er uns schon sieht.

E1-65-01

Zeutern Sportplatz bei Sonnenaufgan

E1-65-02

“Drama”haus am Katzbach in Odenheim

E1-65-03

An der Landstra├če nach S├╝den

E1-65-04

Morgens am Modellflugplatz

E1-65-05

Durch den Weinanbau

E1-65-06

H├╝bscher Wanderweg

E1-65-07

Pilzkreis im H├╝hnerb├╝schle

E1-65-08

E1 Markierung

E1-65-09

Frechheit!

E1-65-10

Zuckerb├Ąckermuseum Gochsheim

E1-65-11

B├Ąckereimuseum Gochsheim

E1-65-12

Brunnen Gochsheim

E1-65-13

Rundgang an der Sankt MartinsKirche Gochsheim

E1-65-14

Hier geht es aus der Altstadt von Gochsheim runter

E1-65-15

Letzte Pause vor Bretten

E1-65-16

Bilder einer (Gro├č)stadt

E1-65-17

Melanchtonhaus Bretten

Um 8 Uhr starten wir unsere Etappe am Bahnhof Odenheim. Ein B├Ącker mit Kaffee w├Ąre noch sch├Ân, aber hier hat alles zu. Also los, am Katzbach entlang. Ein paar H├Ąuser sehen im fahlen Morgenlicht sehr d├╝ster aus. Dann rechts in die Schulstra├če und nach S├╝den aus dem Ort heraus. Bei der Motocrossbahn ├╝berqueren wir die Landstra├če und erreichen im Licht der fr├╝hen Morgensonne einen Modellflugplatz. Weiter geht es in den kleinen “Forstwald schwarzes Loch”, und wieder heraus ├╝ber h├╝gelige Wein- und Ackerfl├Ąchen. Vor einer Pausenbank in der Morgensonne, f├╝hrt uns der E1 einen urigen Waldpfad inÔÇÖs “H├╝hnerb├╝schle”. Kurz darauf finden wir Parkplatz, Spielplatz und eine gro├če Schutzh├╝tte, die wir f├╝r unsere Fr├╝hst├╝ckspause, leider ohne Kaffee, nutzen.
Vom einen W├Ąldchen geht es ins n├Ąchste und wieder durch Wein und Feld in den n├Ąchsten Knick. Es wandert sich sehr h├╝bsch hier. Das Wetter ist heute auch das beste von allen vier Wandertagen. Bisher noch k├╝hle 15┬░C aber sonnig und es sollen noch 21┬░C werden. Ich habe sogar kurze Hosen an und die Stiefel sind auch langsam wieder trocken. Kurz nach einer kleinen Waldpassage kommen wir an der H├╝tte des Odenwaldklubs vorbei. H├Ątte man hier evtl auch ├╝bernachten oder einkehren k├Ânnen? Es stehen drei Autos vor der H├╝tte. Drinnen ber├Ąt vermutlich der Vorstand ├╝ber die n├Ąchsten Wanderwegmarkierungen.
Der Weg wendet sich wieder mehr Richtung S├╝dosten und so erreichen wir am ├Âstlichen Rand, bei Sportplatz mit sexistischem Eintrittspreisen und Industriegebiet M├╝nzesheim. Ein Abstecher zum B├Ącker w├Ąre hier m├Âglich aber mit 2x800m Extratour ein unangenehmer Zeitfaktor. Wir wollen nicht hetzen. Mir schwanen schon ├╝belste Kopfschmerzen ohne meine Ration Koffein am Morgen. Wir gehen also weiter nach S├╝dosten, parallel zur Bahnlinie und kommen ├╝ber ein unattraktives Industriegebiet (Refratechnik, Polytec) nach Gochsheim.
Danach wird es aber gleich netter und der E1 f├╝hrt uns ├╝ber die Wiese ein bisschen am Kraichbach entlang. ├ťber Gartenstra├če und Hintere Gasse steil bergauf erreichen wir das Deutsche Zuckerb├Ąckermuseum und Badische B├Ąckerei-Museum. Leider alles zu. In einem Museum gibt es wohl eh keinen Kaffee. Hier ist so einiges touristisch ausgeschildert. Unter anderem Bistro-Engel. Ich mache noch einen Abstecher die Haupstra├če hinunter dorthin, aber nat├╝rlich umsonst. Also weiter, nun nach Westen die Hauptra├če hoch ins Zentrum zur Kirche. Dort angekommen gibt es wiederum ein Schlosscafe. Auch zu.
Wir teilen uns auf um eventuell doch noch eine koffeinhaltige Einkehrm├Âglichkeit zu finden, da werde ich freundlich von einer Dame angesprochen, die mir -vermutlich im Hinblick auf mein professionelles Wanderererscheinungsbild- empfiehlt den hier ausgeschilderten historischen Rundgang durch Gochsheim zu gehen. Ich lehne dankend, ab und entgegne ├╝berlegen ich sei ja auf einem etwas weiteren Weg unterwegs, von Flensburg bis Konstanz, was sie ehrf├╝rchtig zur Kenntnis nimmt und mir viel Gl├╝ck und Erfolg weiterhin w├╝nscht. Von weitem dreht sie sich noch einmal um und ruft mir noch zu: “In der Kirche gibt’s Kaffee!” Kann diese Frau Gedanken lesen? Ich winke meine Begleiter zu mir und wir betreten die Sankt Martinskirche von Gochsheim in der sich offenbar das gesamte Dorf versammelt hat. Wir werden st├╝rmisch begr├╝├čt, bekommen Kaffee eingeschenk und Geb├Ąck gereicht. Hier ist zuf├Ąllig gerade Kirchencaf├ę mit Diavortrag einer Gruppe Gochsheimer, die k├╝rzlich in Israel wandern war. Wir sprechen mit ein paar M├Ąnnern ├╝ber unsere E1 Projekt, Wandern in der W├╝ste (Israel), den Kraichgau und erfahren noch einiges Wissenswertes ├╝ber Gochsheim und seine Historie. Ganz abgesehen, davon dass ich mein Koffein endlich bekomme, ist dieser pers├Ânliche Austausch wieder eine Erfahrung, die unsere Wanderung reicher macht. Herzliche Gr├╝├če nach Gochsheim!

Wir verabschieden und bedanken uns und verlassen die historische Altstadt ├╝ber steinerne Stufen zur Vorstadtstra├če. Es geht nun nach S├╝dwesten und ├╝ber die Immenstra├če durch ein Wohngebiet mit Rasenplatz am Ende aus dem Ort. Hier biegt der Weg nach S├╝den ab, kurz darauf wieder nach S├╝dwesten und f├╝hrt uns in den Herrenwald. Hier finde ich auch noch einen echten E1 Geocache.
Wir verlassen den Wald an einer Unterf├╝hrung unter einer Landstra├če und m├╝ssen aber in einer Schleife auf diese Stra├če hinauf. Die Unterf├╝hrung ist n├Ąmlich nur nebenbei f├╝r Fu├čg├Ąnger, sondern haupts├Ąchlich f├╝r Z├╝ge. Dies ist die Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart. Wir sind gerade auf der anderen Seite der Unterf├╝hrung, da rauscht auch gerade mit atemberaubender Geschwindigkeit ein ICE durch.
Oben auf der Landstra├če ├╝berqueren wir also die Bahnstrecke und wenden uns am n├Ąchsten Feldweg nach rechts, weg von der Landstra├če, durch die Ackerlandschaft. Bei km 17,5 ist finden wir den perfekten Rastplatz in der Sonne mit Aussicht ├╝ber die ICE Talbr├╝cke-Bauerbach.

Es geht zun├Ąchst weiter nach S├╝den zwischen Maisfeldern hindurch und dann nach rechts, Richtung Westen nach B├╝chig. Wir befinden uns jetzt auf dem “B├╝chiger Gedichteweg” wie wir anhand einiger aufgestellter Tafeln mit zeitgen├Âssischer Dichtkunst bemerken. Hier wird Allt├Ąglichem durch die Dichtkunst besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
B├╝chig erreichen wir von Nordwesten und durchqueren dieses eher unspektakul├Ąre Nest. Es geht nat├╝rlich an der Kirche vorbei und im S├╝dwesten wieder einen Feldweg hinaus aus dem Ort. Auf das letzte Wohnhaus an diesem Weg folgt ein verfallenes Treibhaus, dessen kaputte Fenster teilweise durch Holzverkleidungen ersetzt wurden. Teils wuchern Pflanzen aus oder auf dem Dach des Glashauses. Irgendwie cool aber auch spooky.

Kurz darauf geht es wieder in den Wald und der Weg geht nun wieder direkt nach S├╝den. Ab der Mitte des Waldes bemerken wir vermehrt Spazierg├Ąnger. Kurz bevor wir den Wald verlassen kommt noch eine E1 Markierung im klassischen “hannoveraner” Design (=wei├čes X mit abgeschnittenen Enden auf schwarzem Grund), welche verheisst, man m├╝sse ab hier bis zur B35 geradeaus gehen. ├ťberhaupt ist uns ungef├Ąhr seit dem Gedichteweg vor B├╝chig kein gr├╝nes Kreuz auf weissem Grund, sondern nur das altbekannte Andreaskreuz aufgefallen. Wir vermuten, der Odenwaldklub ist mit seiner Ausschilderung noch nicht ganz fertig. Erinnern wir uns noch an Etappe 58 hinter Frankfurt Sachsenhausen, als wir beim Eintritt in den Odenwald gar nur wei├če Fl├Ąchen… ohne Kreuz vorfanden, die uns kurz in die Irre leiteten.

Nachdem wir den Wald verlassen finden wir an der n├Ąchsten Feldwegkreuzung noch eine Bank an einem Maisfeld, an der wir ein letztes Mal in der Sonne verschnaufen. Wir sind gut in der Zeit und k├Ânnen es uns leisten. Es sind so einige Spazierg├Ąnger -mit und ohne Kinder – unterwegs, die das sch├Âne Sonntagswetter nutzen.

Auf dem weiteren Weg nach S├╝den m├╝ssen wir einmal kurz zur├╝ck, da mein vorbereiteter Track eigentlich links abbiegt und wir aber geradeaus gegangen sind. Es finden sich aber weder Markierungen noch ein Weg dort wo es laut Koordinaten abgehen sollte. Wir erinnern uns auch an die Ausschilderung die “Geradeaus bis B35” bedeutete und gehen eben doch weiter geradeaus. Kurz vor der B35 folgen wir der E1 Markierung dann nach links, nach Osten, und betreten bei der n├Ąchsten Unterf├╝hrung unter der B35 an der Gartenstra├če die Stadt Bretten.
Auch hier werden wir von der klassischen schwarz/weiss E1 Markierung durch das Wohngebiet bis zum Zentrum mit Fu├čg├Ąngerzone, der Melanchtonstra├če, geleitet. Hier genie├čen wir noch Falafel beim Stern Kebap und machen bummelig ein paar Fotos von der h├╝bschen Altstadt.
├ťber die Schulgasse und Steingasse an der Stiftskirche vorbei geht es nach S├╝den. Wir ├╝berschreiten den kleinen Saalbach und kommen ├╝ber die Luisenstra├če ins Gewerbegebiet von Bretten und erreichen mit ausreichend Zeitpolster unser Etappenziel Bretten Stadtmitte.
Da meine Wanderfreunde auf der Hinfahrt so einige Unw├Ągbarkeiten und verpasste Anschl├╝sse hinter sich haben, beschlie├čen wir einen Zug eher nach Heibronn zu nehmen um alle Umsteigezeiten zu optimieren. Im Eilzug nach Heilbronn nerven ein paar besoffene aber harmlose Fu├čballfans. Die stellen sich, bierselig wie sie sind, zu d├Ąmlich zum Umsteigen an und verpassen ihre Station, obwohl der Bahnsteig schon von anderen Fans wimmelt. Knallk├Âppe!
Wir kommen p├╝nktlich nach Heilbronn und haben noch massig Zeit bis unser n├Ąchster Zug nach W├╝rzburg f├Ąhrt und beschlie├čen daher einmal ins Zentrum zur Kilianskirche zu gehen. Auch ganz h├╝bsch hier, so am Neckar. Ein betr├Ąchtliches Polizeiaufgebot ist hier offenbar damit besch├Ąftigt T├╝rken und Kurden bei Protestaktionen voneinander zu trennen. Urs├Ąchlich die aktuelle Situation in Nordsyrien. Hoffentlich werden wir nicht eingekesselt und erreichen unseren Zug noch!
Es klappt aber alles wunderbar und auch selbst der Zug nach W├╝rzburg der in Heilbronn bereits 3min Versp├Ątung hat, holt diese Zeit sogar noch auf, dass wir in W├╝rzburg l├Ąssig, mit sieben Minuten Umsteigezeit, -von denen wir nur eine brauchen- unseren ICE erreichen. Der Zugbegleiter von Heilbronn nach W├╝rzburg meinte schon, dass irgendwas nicht stimmen k├Ânne, da die Bahn p├╝nktlich sei, was ja aktuell die absolute Ausnahme darstelle. Witziger Typ!
Der ICE ist brechend voll und ich bin heilfroh, dass wir das vor zwei Tagen erhaltene Erste Klasse Upgrade mit Sitzplatzreservierung angenommen haben und nun sichere Pl├Ątze nebeneinander haben. In Fulda str├Âmen noch so viele Menschen in den Zug, dass dieser erst weiterfahren kann, als sich einige nach Aufforderung bereit erkl├Ąren ihn wieder zu verlassen und auf den n├Ąchsten zu warten. Aus den enstehenden 25min Versp├Ątung bleiben bis Hamburg noch 18min ├╝brig was ich nicht weiter schlimm finde.
Um halb eins bin ich endlich zu Hause.